Dienstag, 30. Oktober 2018

Die Hochzeitsreise des Herzogs Johann Albrecht und seiner Gattin nach Siam 1910

Ein Reisebericht aus 1910 und 2018.
 
Herzog Johann Albrecht war seit  1886 mit der Prinzessin Elisabeth von Sachsen-Weimar-Eisenach   vermählt, die am 10. Juli 1908 nach schwerer Krankheit auf Schloss Wiligrad verstarb und  im Doberaner Münster beigesetzt wurde. 
Auf Anraten seiner Freunde und wohl auch diskreter Vermittlung  vermählte er sich  15. Dezember 1909  erneut, mit der achtundzwanzig Jahre jüngeren Prinzessin Elisabeth zu Stolberg-Roßla.  War seine erste Frau wohl, wie es in einem zeitgenössischen Berichten überliefert ist, ein „mordsgarstiges Weib“, so brachte die zweite Elisabeth wortwörtlich frischen Wind ins Schloß.  28 Jahre jünger als der Herzog war sie attraktiv und unternehmungslustig und die Kunde davon verbreitete sich wohl bis nach Siam, wie Thailand damals hieß. 

Leider  ist wohl die gesamte Korrespondenz beim Brand des Schlosses vernichtet worden, sonst hätten wir sicher die offizielle Einladung Chulalongkorns gefunden. Sie könnte etwa so gelautet haben:

„Lieber Freund,  soeben habe ich von deiner Hochzeit erfahren! Es ist gut, daß Du wieder geheiratet hast, ein Mann sollte nicht allein sein. ( Anm. des Autors: Chulalongkorn hatte 135 Ehefrauen, von denen 35 ihm 76 Kinder gebaren )  Hiermit lade ich Dich und Deine Gattin ein, einige Tage bei mir zu Gast zu sein. Bitte telegrafiere mir, wann Ihr reisen wollt" 

So oder so ähnlich, und höchstwahrscheinlich auf Englisch, denn Chulalongkorns Vater, König Mongkut hatte bereits 1862 sehr vorausschauend eine Englischlehrerin für seine 62 Kinder engagiert. Das war niemand anders als  Anna Harriette Leonowens, britisch-indische Lehrerin und Schriftstellerin. Ihr Name wurde weltbekannt durch den 1956 mit Yul Brynner als König Mongkut  gedrehten Musicalfilm „Anna und der König von Siam“.
 
An dieser Stelle mag es interessant sein zu wissen, daß man in Thailand die Könige im „innerthailändischen“ Sprachgebrauch nicht mit Namen nennt, sondern die Regierungen ราชการ durchzählt. Der 4. König, also der Vater von Chulalongkorn, wird als „Regierung ราชการ Nr.4“ bezeichnet. Im Verkehr mit nicht-Thais sagt man stattdessen Rama IV.  Der eigentliche Name wird aber verwendet, wenn es um Bezeichnungen geht wie Mahidol University oder Bhumpol Staudamm.  Der jetzige König  ist der zehnte der Chakri Dynastie und heißt  offiziell Maha Vajiralongkorn Bodindradebayavarangkun มหาวชิราลงกรณ บดินทรเทพยวรางกูร, wobei der Zusatz „Maha“ der Erhabene bedeutet.  Er ist seit dem 13. Oktober 2016 König von Thailand, die formelle Krönungszeremonie wurde aber noch nicht vollzogen.

Das herzogliche Paar nahm die Einladung an, sicher auch auf besonderen Wunsch der unternehmungslustigen jungen Herzogin.  Der Herzog selbst verband das Erfreuliche mit dem Nützlichen und reiste nach dem Besuch in Siam weiter in „Kolonialangelegenheiten“ nach Sumatra, Java, Bali, Kiautschu (China) und Japan. 

Im Gegensatz zu König Chulalongkorn haben weder Herzog noch Herzogin Tagebuch geführt, aber es sind Berichte von verschiedenen Seiten überliefert. 

Die meisten Information lieferte damals die die „Regenbogenpresse“, vornehmer  ausgedrückt die Hochberichterstattung der Braunschweiger Anzeigen, dem amtlichen Blatte für das Herzogtum Braunschweig.
Die Zeitung  ist zum Glück im Original für die entsprechende Zeit erhalten,  vielen Dank an dieser Stelle an das Niedersächsische Staatsarchiv Wolfenbüttel.  Die  nachfolgenden Zitate sind der genannten Zeitung entnommen. 

29. Dezember 1909:  Das herzogliche Paar begibt sich zum Bahnhof, um mit dem Salonwagen nach Genua zu reisen, daselbst sie ohne größeren Aufenthalt den Liniendampfer „Yorck“ des Norddeutschen Lloyd  besteigen.  Nach einem Stop in Neapel beginnt am Sylvesterabend endlich die große Reise.  Sie führt durch den Suez über Colombo nach Penang, dann weiter nach Singapore, wo die Asienlinie des Norddeutschen Lloyd endet.  Für den Liniendienst Singapore-Bangkok  stand hier der Dampfer „Delhi“ der gleichen Reederei bereit, der Platz für 34 Passagiere in der ersten Klasse bot.

Am 26. Januar 1910  erreichte die Reisegesellschaft  die Mündung des Mae Nam Chao Phraya, wo Herzog und Herzogin  vom Prinzen Damrong Rajanubhab an Bord der königlichen Yacht „Maha Chakri“ empfangen wurden.  Während die übrige Gesellschaft mit dem Dampfer weiter zum Hafen fuhr, genoss das herzogliche Paar einen prachtvollen Empfang durch König Chulalongkorn persönlich an der Anlegestelle des alten Königspalastes.   Nach dem Zeremoniell begab man sich mit dem Automobil in den Dusit Park, wo im königlichen Palast  Quartier bereitet war.


September 2018: Wir begeben uns mit der deutschen Bahn, zweiter Klasse, nach Frankfurt zum Flughafen. Der Zug ist ausnahmsweise pünktlich, der Check-in dank Vielfliegerstatus einen Sache von wenigen Minuten.  Dauerte die Anreise mit dem Schiff knapp 4 Wochen, müssen wir nur zehneinhalb Stunden ausharren, bevor wir  thailändischen Boden betreten können. Der Flughafen „Suvannaphum“,  der Name bedeutet soviel wie „goldenes Land“ auf Sanskrit, ist riesig, BER würde mindestsn zweimal hineinpassen, wenn er irgendwann mal fertig wird.  Die Bauarbeiten für  Suvannphum wurde im Januar 2002 begonnen, am 28. September 2006 um 03:00 Uhr  wurde der  Betrieb aufgenommen.  Das erste Flugzeug im internationalen Verkehr war eine Maschine der
Lufthansa Cargo aus Mumbai kommend, die um 03:05 Uhr eintraf. Der fast reibungslose Umzug vom alten Flughafen Don Muang zum neuen Flughafen war  den Erfahrungen des Münchner Flughafens zu verdanken, wo ebenfalls innerhalb einer Nacht der gesamte Umzug vollzogen wurde. 

Um den Fußmarsch einmal quer durch den Airport  abzukürzen, hatten wir den Fast Lane Service gebucht,  mit einem elektrischen Wägelchen  vom  „Finger“ direkt zum Sonderschalter der Immigration. Nach einer Abfertigungszeit von etwa 1 Minute pro Person waren wir durch.   Wenn nur zwei  A-380 landen, stehen rund  1.000  Passagiere vor den normalen Schaltern, da sind Wartezeiten von einer Stunde oder mehr durchaus normal. 

Jetzt werden wir auch endlich vom König begrüßt:  Ein Porträt des regierenden Monarchen Maha Vajiralongkorn Bodindradebayavarangkun, seit dem 13. Oktober 2016 im Amte.  Bilder des Königs hängen in allen staatlichen  Einrichtungen, oft zusammen mit den Bildern seiner Mutter und seines Vaters, dem verehrten König Bhumipol Adulyadej. 

Unser bestellter Wagen wartet schon, um uns in das gebuchte Hotel in Salaya zu bringen,  nur 50 km vom Flughafen entfernt, aber einmal quer durch Bangkok im katastrophalen morgendlichen Berufsverkehr.
Mitschuld an der Verkehrssituation ist  eigentlich König Chulalongkorn. Seine Begeisterung für das Automobil kannte keine Grenzen, so daß er etliche Exemplare für sich und  seine Familie importieren ließ, als Kaiser Wilhelm II noch der Meinung war :“das Automobil ist eine vorübergehende Erscheinung“.


Da die Siamesen, zumindest die wohlhabenden, die Begeisterung teilten,  wurden immer mehr Automobile ins Land geholt,  die natürlich auch entsprechende Strassen brauchten.  So wurden nach und nach etliche der Kanäle zugeschüttet, die Bangkok vor 1900 den Beinamen „Venedig des Ostens“ gaben.  Das war nicht unbedingt eine gute Idee, denn damit wurde auch der Wasserabfluß auf den Hauptstrom und einige Nebenkanäle reduziert.  Der Mae Nam Chao Phraya hat einen merklichen Tidenhub, und in der Monsunzeit bahnt sich seit 100 Jahren das Wasser eben auch einen Weg in den Strassen.  Die alten Holzhäuser an den Kanälen standen und stehen noch auf Pfählen, etwa eineinhalb Meter über dem Wasser, da ist Hochwasser kein Problem.

Januar 1910:  Der in Bangkok residierende deutsche Arzt Friederich Schaeffer hat dankenswerterweise Tagebuch geschrieben, aus welchem uns Einzelheiten über den Aufenthalt überliefert sind. 

Der  1868 in der Provinz Posen geborene Dr. Friedrich Schaeffer ließ als 1908 als Stabsarzt der preußischen Armee beurlauben und ging nach Bangkok, um dort den Posten eines medizinischen Beraters der Armee zu übernehmen.   Dr. Schaeffer legte auch den Grundstein zum renommierten Chulalongkorn-Hospital, welches 1914 von König Vajiravuth, einem Sohn Chulalongkorns feierlich eröffnet wurde. 

Hatten die Stadtverordneten von Braunschweig ganze 3.000 Mark lockergemacht, so tat   Chulalongkorn einen tiefen Griff in die königliche Schatulle. Laut Doktor Schaeffer soll der Empfang mit allem drum und dran um 2 Millionen Tikal gekostet haben.  Die damals gängige Währung in Siam, der Tical  wurde von den Siamesen selbst Baht genannt und entsprach etwa 15g Silber. 
Noch zu Zeiten Chulalongkorns wurde  das Dezimalsystem für Münzen eingeführt, aber die Viertelteilung für die kleinsten Münzen gilt bis heute: 1 Baht entspricht 4x 25 Satang. Allerdings bekommt man Satangmünzen nur  beim Geldwechsel zu Gesicht, wenn auf Bruchteile eines Baht herausgegeben wird.  Die übliche kleinste Münze ist  der Baht, knapp 40 davon entsprechend einem Euro und sind der Gegenwert für eine Nudelsuppe  in einem Strassenrestaurant.
Geschichte des Geldes in Siam

Die gesamte deutsche Gemeinde in Bangkok war natürlich begierig,  dem herzoglichen Paar vorgestellt zu werden, und so wurde ein Abend im deutschen Klub anberaumt. Der Herzog überstand die Prozedur „mit bewunderswerter Langmut“, schreibt Friederich Schaeffer in sein Tagebuch.
Ansonsten verbrachten die hohen Herrschaften die letzten Januartage mit Empfängen, Diners, Bällen und  Musikaufführungen. 

September 2018: Wir haben im Hotel Salaya Pavillon  Logis genommen, denn da checkt man nicht
einfach ein. Gediegen altmodischer Charme. Das in den 70er Jahren gebaute Hotel belegt  die obersten Stockwerke des International College der bekannten Mahidol Universität. In Deutschland würde man dazu Fachschule für Hotel-und Restaurantwesen sagen.  Es ist das einzige Hotel im Ort, denn hierher kommen keine Touristen,  nur Besucher der Universität.  Ein dicker Teppich dämpft alle Schritte, kein Gewusel in der Lobby, keine schnatternden chinesischen Reisegruppen, der Gast wird  mit ausgesuchter Höflichkeit begrüßt.  Vom Fenster hat man einen weiten Blick bis
zur Skyline von Bangkok, die allerdings oft im Dunst der Großstadt verschwimmt.

Salaya ist eine Stadt in Nakorn Pathom, einem Nachbarbezirk von Bangkok, aber eigentlich mehr ein Vorort,  und gleichzeitig eine Universitätsstadt. Der Campus der Mahidol Universität mit ihren Fakultäten nimmt die ganze Innenstadt ein und ist so groß, daß ständig kostenlose Shuttlebusse zwischen den Einrichtungen hin und herfahren. 

Der Campus ist außerordentlich schön angelegt mit viel Wasser und viel Grün zwischen den Instituten. Dank des feuchtwarmen Klimas hat sich daraus ein urwaldähnlicher Garten entwickelt.  Deutsche Bauämter würden verzweifeln, wenn sie die Wege und Stege ohne Geländer sehen. Offensichtlich funktioniert das aber sehr gut und beweist, daß man auch ohne auskommt.

Einen besonderen Ruf genießt die musikalische Fakultät, es gibt sogar einen eigenen Konzertsaal, der nach dem achten König „Mahidol Concert Hall“ benannt ist.  Hier spielt das  2005 gegründete Thailand Philharmonic  Orchestra  TPO mit zur Zeit 95 Mitgliedern aus 15 Ländern.  Wir hatten das Glück, gerade rechtzeitig zu einer Aufführung dort zu sein,  auf dem Spielplan stand zunächst ein zeitgenössisches Stück von einen thailändischen Komponisten,  das Poem Ayutthya von Narong Prangcharoen. Danach folgte das bekannte Concerto de Aranjuez von Joaquin Rodrigo.



In Tailand wird bei allen öffentlichen Aufführungen und im Kino die „Königshymne“ gespielt, wobei die Anwesenden sich erheben.  Im Kino kommt das vom Band und klingt auch entsprechend,  es von 50 Streichern zu hören war beeindruckend und in der Tat majestätisch.

Januar 1910:  „wir verließen die Residenz in Bangkok, um bei dem Bergschlosse von Petchburi Erholung von den Strapazen der letzten Tage zu suchen. Nach 4stündiger Bahnfahrt durch Dschungeln und höher gelegene fruchtbare Gegenden gelangete der Extrazug am Nachmittage des 31. Januar nach Petchburi, einem kleinen Landstädtchen, am gleichnamigen Flüßchen gelegen.
Schon von weitem fielen die aus der Ebene aufwachsenden Berge auf, die  die Formation ihrer Entstehung und ihren lavaartigen Charakter wahrscheinlich früheren Seebeben verdanken.
Seine Majestät hat eine entzückende kleine Residenz auf einem der Berge,  wo er eine europäisch eingerichtete Wohnung mit allem Comfort  bezieht. Die hohen Herrschaften und die Reisebegleitung werden etwas unterhalb davon in einem sehr bequemen Gästehaus untergebracht.“

September 2018: Mangels Sonderzug nehmen wir die normale Eisenbahn, um nach Petchburi zu gelangen. Nicht ganz 4 Stunden, aber immerhin fast 3 benötigt unser Zug, die Zeit angenehm verkürzt durch ein kleines Mittagessen, das  gereicht wird. Jeder Wagen hat ein Begleiterin, die zur Mittagszeit  für jeden Passagier ein Tablett anreicht mit Reis und zwei Beigerichten, dazu Wasser. Alles im Fahrpreis enthalten, allerdings auch wieder sehr viel Plastikmüll. 


Der freundliche Zugschaffner hilft uns noch mit dem schweren Koffer beim Ausstieg, dann sind wir endlich in Petchburi angekommen und werden von König Chulalongkorn begrüßt: Sein Bild hängt in der kleinen Bahnhofshalle, ganz groß in der Mitte. 



Die Taxia-Mafia schlägt zu.  Es stehen etliche der kleinen Sammeltaxis am Bahnhof und warten auf Kundschaft. Der Fahrpreis zum Hotel soll 100 Baht betragen ( etwa 2,50 € ), alles Feilschen hilft nicht, die würden uns glatt stehen lassen, und eine andere Möglichkeit gibt es nicht.  
Mangels Gästehaus haben wir das Hotel „Sun“ vorab gebucht,  ein typisches Niedrigpreishotel.  Aber was braucht man mehr als ein sauberes Bett und Bad sowie eine  Klimaanlage?  Zwei Übernachtungen für zusammen 30 €, mit Frühstück.

Das Hotel liegt günstigst am Fuße eben des Berges, wo die hohen Herrschaften und der König damals ihre Unterkunft hatten.


Begegnung mit dem Herzog nach 108 Jahren.  Wir schlendern durch die Andenkenläden und da ist die royale Reisegruppe, lange vor unserer  Zeit.   Ein schön gerahmtes Panoramafoto, von dem aber vor Ort  niemand weiß, wer da abgebildet ist.

Etwas dichter ran:

und noch etwas dichter:

Ganz links die Gattin des französischen Gesandten, daneben ihr Gemahl,  in der Mitte  Herzog Johann Albrecht, ganz außen die Herzogin. Stehend mit Säbel  Prinz Damrong, dahinter vermutlich seine Tochter.  „Man kann die Gesichter ja gar nicht erkennen!“ wird der aufmerksame Leser einwerfen. Richtig, wir haben die Personen der Kleidung nach zugeordnet, denn später gab es noch ein Foto, auf dem die Gesichter zu erkennen sind.  Beide Fotos sind zweifellos am selben Tage aufgenommen worden. 

Aber zurück zum Andenkenladen  Obwohl wir nichts kaufen, dürfen wir das Bild abfotografieren. Der jungem Mann erzählt uns, daß seine Oma wohl noch als Kind den Besuch der selbst Herrschaften erlebt hätte.

Das eigentliche Ziel für heute ist aber der Bergpalast, der  auf dieser Postkarte abgebildet ist:

Es führt mittlerweile eine Standseilbahn hinauf, für die ausländische Touristen mal wieder einen
doppelten Fahrpreis entrichten sollen.  Leider hilft auch hier kein  Verhandeln, es ist leider eine weit verbreitete Sitte, von ausländischen Gästen für verschiedene Sehenswürdigkeiten einen wesentlich höheren Preis zu fordern als von Einheimischen. 

Am obersten Aussichtspunkt angekommen müssen wir als erstes die Beschriftung der Postkarte bemängeln. Dieses Bild bietet sich uns dar – vom  Bergschlößchen gesehen.


Das ist aber nicht das Schlößchen, sondern der private kleine Tempel der königlichen Familie auf dem gegenüber liegenden Hügel.  Seien wir nachsichtig, bei einem so exotischen Fotoobjekt kann eine falsche Beschriftung schon mal vorkommen.

Wir sind über  einen gut ausgebauten, wenn auch vom Regen etwas glitschigen Weg hinüber gegangen und haben dieses Fotos aufgegommen.  



Wir beherzigen die Hinweisschilder, die uns vor den aufdringlichen Affen warnen. Sie schauen zwar neugierig, aber wenn man sie ignoriert, belästigen sie die Gäste auch nicht.
Sie tragen alle Nummern, weil sie sterilisiert worden sind.


 Das ist das eigentliche Schlößchen, das wir nun erkunden wollen.
 
Es diente dem Monarchen tatsächlich als Wohnung und ist entsprechend eingerichtet, und zwar mit westlichen Möbeln.  Wo der König gewohnt hat,  muß man dem Ort mit Respekt begegnen, also ordentlich gekleidet und ohne Schuhe.  Ordentlich gekleidet sind wir sowieso immer, einige sehr luftig gekleidete Damen bekommen Leihsarongs ausgehändigt.  Damit sind sie immer noch besser dran als die  ausländischen Damen vor 100 Jahren, die sich wie es geziemte spätviktorianisch  kleiden mußten.



Die Räumlichkeiten haben Fenster nach allen Seiten, so daß es sich trotz fehlender Klimanlage sicher gut aushalten ließ.   König Chulalongkorn als der große Erneuerer hatte sicher schon  elektrischen Strom im Palast und Ventilatoren, aber keine Klimanlage, die wurde überhaupt erst 1906  von Willis Carrier zum Patent angemeldet. Das erste damit ausgerüstete Gebäude war 1919 ein Kino in den USA.
Elektrischer Strom war schon wesentlich früher verfügbar, am 20. September 1884 wurde der Maha Chakri  Palast  in Bangkok erstmals elektrisch beleuchet. Der Strom kam von zwei Generatoren, die für die enorme Summe von 14.400 Baht aus England beschafft worden waren.  Es ist daher anzunehmen, daß auch der Bergpalast zum Zeitpunkt des Besuches schon elektrifiziert worden war.

Wir beschlossen den Tag zwar nicht mit einem Galadiner,  aber mit einem leckeren Essen in einem Restaurant mit dem schönen Namen KING KONG nahebei.  Nach etlichen trockenen Tagen gab es endlich auch wieder das geliebte Chang Bier, man erinnere sich, daß  auf dem gesamten Mahidol Campus Alkoholverbot herrschte! 










Der nächste Tag sollte uns dann weiter auf den Spuren der hohen Herrschaften führen,  der Hofberichterstatter schrieb damals etwas schwärmersich:
Januar 1910:

 „Zu den Sehenswürdigkeiten Petchburies ( Anm. des Autors: das übersetzt Diamantenstadt heißt ) gehören Tropfsteinhöhlen.  Auf dem Rücken der kleinen reizenden Ponies erreichten wir in etwa einer Stunde ( vom Bergpalast) diese Sehenswürdigkeit und waren überrascht von der geradezu überwältigenden Größe dieser Gruppe von Höhlen. Die Aufstellung unzähliger goldener Buddhas und altehrwürdiger Pagoden beweist, daß auch der Buddhist diesen Platz, der wie keiner in der Welt geschaffen ist zur inneren Einkehr und zum Nachdenken über alles irdische, seit undenklichen zeiten der Meditation geweiht sei. Alle standen unter dem Zauber  dieser Felsenräume und an dem ewig wechselnden Spiele mächtig einflutenden Lichtes konnte sich das Auge nicht sattsehen.!


Genau an diese Stelle des Berichtes gehört nun
der Vollständigkeit halber nochmal dieses Foto:

                                                                              
Und dieses, 108 Jahre später aufgenommen:

Die Reisfelder sind verschwunden,  statt auf niedlichen Ponies zu reiten, fahren wir mit einem Sammeltaxi. Diesmal bekommen wir einen günstigen Preis, denn wir müssen ja nicht mehr unbedingt vom Bahnhof wegkommen, sondern können fahren, oder eben nicht fahren, dann verdient der Fahrer nichts.
Zurück zur Höhle, die wir nun gerade erreicht haben.  Der Anblick ist tatsächlich so überwältigend, wie der Chronist es vor 108 Jahren empfunden haben mag. Die alten schwarzweiß Bilder geben es nur sehr ungenügend wieder:

Und da sind wir, die Braunschweiger, wortwörtlich  in den Fußspuren des Herzogspaares.





Da die Höhle mittlerweile touristisch  erschlossen ist, es gibt einen Betontreppe zum Abstieg und  elektrische Beleuchtung, ist an innere Einkehr nicht zu denken.   Mit etwas Glück ist aber keine schnatternde chinesische Reisegruppe unten und man kann diese wunderbare Bild genießen:

Die vom Chronisten erwähnten altehrwürdigen Pagoden sind eigentlich Stupas, auf thailändischen Chedis genannt. Der oder auch die  Stupa, das Wort kommt aus dem Sanskrit, ist ein buddhistisches Bauwerk, das Buddha selbst und seine Lehre, das Dharma, symbolisiert. In vielen Chedies werden Reliquien des Erleuchteten, das bedeutet der Name Buddha, aufbewahrt.  

Die vom Chronisten erwähnten sieht man auf dem Foto am linken Bildrand, wir gehen natürlich etwas näher heran. Genau in der Mitte ist ein Bild aufgestellt, der Leser muß nicht lange raten, wer abgebildet ist.

Photo in 1910. Niemand weiß genaues.  Doch, wir. Ganz links mit  fehlendem Haupthaar der Herzog, daneben die Herzogin. In der Mitte wieder Prinz Damrong mit seinen beiden Töchtern, rechts der französische Gesandte mit Gattin.


Noch ein paar Eindrücke von der Höhle

Die hohen Herrschaften sind einige Tage später mit der Bahn zurückgereist nach Bangkok, um von dort noch der alten Hauptstadt Ayutthaya einen Besuch abzustatten.  

Wir dagegen lassen uns vom gleichen Taxi, diesmal zu einem noch günstigeren Preis,  ans Meer fahren,  nach Haad Chao Samran, einem kleinen Seebad  nur 60 km  entfernt. Der Name bedeutet soviel  wie Strand, wo der König Freude hatte und bezieht sich auf König Naresuan. Dieser lebte im 16. Jahrhundert  und soll während seiner Regierungszeit  den Strand mehrfach besucht haben zur Entspannung, verständlich während dieser doch sehr kriegerischen Zeit der Ayuttaya-Periode.

Heute möchte Haad Chao Samran ein Badeort für  einheimische Urlauber sein,  erreichbar von Bangkok in etwa zwei bis drei Stunden.  Urlaub am Meer sieht für den Thai-Urlauber so aus:  Die Erwachsenen setzen sich in den Schatten, lassen sich Essen und Trinken kommen und genießen die kühle Briese. Die Kinder planschen angezogen im seichten Wasser.   Der Strand ist wirklich kilometerlang und leer, denn niemand wird in der Sonne dort entlang laufen.  Man kann weit ins Wasser gehen,  bis es wirklich tief wird,  darum ist das Meer auch trübe vom Sand nicht nicht wie erwartet  glasklar und blau oder grün.

Fliegende Händler bieten alles notwendige an: Matten zum Sitzen, kleine Tische, Schwimmwesten für die Kinder. Speisen werden nach Wunsch aus den umliegenden Restaurants geholt,  es ist bestens für einen erholsamen Aufenthalt gesorgt.  Jedenfalls für einheimische Urlauber, denn auf ausländische Gäste ist man überhaupt nicht eingestellt.  Im ersten Haus am Platze, direkt am Meer und mit winzigem Pool,  ist schon das Frühstück gewöhnungsbedürftig.   Sieht zwar lecker aus,  aber anstelle von Kaffee gibt es eine Tasse heißes Wasser, die der geschätzte Gast dann mittels einer Portionspackung Pulverkaffee selbst einfärben soll.  Dabei hat Thailand erstklassigen Kaffee, der seit Jahren in den Bergen im Norden wächst. 

Deswegen zum Thema Kaffee noch ein  Beitrag zum Abschluß.


Überall gibt es „Kaffeebuden“ in denen einheimischer Kaffee an chromblitzenden Maschinen aufgebrüht wird. Der Kunde hat die Wahl zwischen heißem Kaffee wie bei uns und Eiskaffee, das ganze in verschiedenen Variationen.  


Leider aber nur in Plastikbechern, die kommen dann zum mitnehmen noch in eine Plastiktüte.
Thailand ist sich des Plastikmüllproblems schon bewußt, aber so ganz sind die Erkenntnisse nicht zu allen Anbietern von Lebensmitteln durchgedrungen.